Paris-Brest-Paris

Bericht von Andi Schröder
Prolog
Nach den Ranndoneurbewerben, mit Distanzen 200, 300, 400 und 600km, und dem Chiba Alpencup stand nun im August, als Jahreshöhepunkt, das 1200 km lange Urgestein Paris-Brest-Paris auf dem Programm. Paris-Brest-Paris, der älteste noch ausgetragene Radwettbewerb der Welt, ist seit 1891 im Kalender des Radsports zu finden und gilt unter anderem als Vorläufer der Tour de France. Anfangs fand die Veranstaltung nur alle 10 Jahre statt, seit 1971 ist der zeitliche Abstand auf 4 Jahre, für den Bewerb mit freier Geschwindigkeit, festgelegt worden. Teilnehmen kann prinzipiell jeder, allerdings ist die Brevetserie 200-300-400 und 600 km im Jahr der Ausrichtung von PBP zu absolvieren.
Die Strecke führt überwiegend auf sehr wenig befahrenen Straßen von Paris nach Brest und fast, bis auf wenigen Ausnahmen, auf den gleichen Straßen auch wieder retour. Dabei gilt ein maximales Zeitlimit von 90 Stunden für die Bewältigung der Gesamtstrecke, wobei entsprechende Zeitlimits auch für die Zwischenkontrollen gelten.

Das Rennen
Irgendwann, so gegen Ende des letzten Jahres habe ich mich intensiver mit Paris-Brest-Paris auseinandergesetzt (hauptsächlich im Internet), einen Bewerb bei dem, als ich vor 4 Jahren in einer französischen Radsportzeitung darüber las, ich mir dachte „tolle Leistung aller Teilnehmer, aber sicher nichts für mich“. Aus dem sich beschäftigen entstand dann der Beschluss daran auch teilzunehmen zu wollen. Als erstes Hindernis auf dem Weg dorthin standen die, für die Teilnahme, notwendigen, Qualifikationsbrevets auf dem Programm. Ich hantelte mich von Bewerb zu Bewerb und im Juni absolvierte ich die 600 km erfolgreich, womit die wirklichen Vorbereitungen nun beginnen konnten (das notwendige Fahrrad dazu wurde schon seit Jänner geplant, zusammengebaut, getestet und weiter verbessert).

Nach einer genauen Planung, einer möglichst guten konditionellen Vorbereitung (was die zur Verfügung stehende Zeit erlaubte) und Test des Materials als auch der Ernährung war am Freitag den 17. August alles bereit für den Flug nach Paris. Ich selbst war nur mit dem notwendigsten Gepäck unterwegs, mein Rad nahmen dankenswerterweise die beiden Chaoten Günther und Josef mit, mit denen ich bereits eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Kilometern während der Brevets absolvierte.

Samstag als auch Sonntag war Entspannung und Sightseeing (möglichst alles mit der Metro) in Paris als auch viel Essen angesagt (Gesellschaft leisteten mir dabei einige Vertreter des RC-Sereno, namentlich Michael und Gerold). Dazu kamen noch die offiziellen Termine wie Abholung der Startunterlagen, Fahrradkontrolle und Fototermin der österreichischen Mannschaft.
Montag war dann der große Tag, die letzten Vorbereitungen waren angesagt, Start war dann abends. Da dies mein erster Start bei PBP war und ich überdies noch nie eine ähnliche Strecke in der geplanten Zeit absolviert hatte (die längste davor in einem gefahrene Strecke war der Brevet über 400 km), entschied ich mich bei der Anmeldung sicherheitshalber für den Start in der 90-Stunden Gruppe. Startzeit war daher Montag 21:30. Das hieß vor allem mal warten, und nochmals warten. Zwischen Frühstück und der Abfahrt zur Pizzeria (und damit eigentlich zum Start) war für mich Beine hochlegen und essen angesagt. Dann allerdings ging es wirklich los und ich stand bereit zum Eingang in den Startbereich. Erst allerdings starteten die Fahrer der 80 Stunden Gruppe (darunter Michael vom RC-Sereno, Sepp und Günther von den 2Rad Chaoten und Rudi, den ich vom 600er Brevet kannte) um 20:00 und dann die Sonderfahrräder (Liegeräder, Dreiräder, Ruderräder, Tandems und was man sich sonst noch alles vorstellen kann) um 21:00. Dann endlich durften wir hinein, ich war gleich ganz vorne dabei und kam damit in die erste Startgruppe. Bei der Startlinie war ich dann fast ganz vorne in der Gruppe angelangt, mein Ziel war es, die Zeit, in der große Gruppen unterwegs sind (in der 90-Stunden Gruppe waren mehr als 2000 Leute, allerdings aufgeteilt in mehreren Startgruppen, die in 20 min Abständen losgelassen wurden), möglichst weit vorne zu fahren um etwaige Probleme wie sie allgemein bei großen Starfeldern auftreten, zu vermeiden. Schon beim Start war der Himmel bedeckt, ein paar Regentropfen fielen und es war recht windig. Die Nervosität stieg dadurch natürlich nur, die Frage war, Regenkleidung vom Start weg oder nicht, in allerletzter Minute entschloss ich mich nach langem inneren Kampf daher zumindest die Regenüberschuhe anzuziehen.

Dann, pünktlich um 21:30, der Start. Nach 200m befand ich mich wie geplant genau hinter dem Führungsfahrzeug. Die ersten 15 km, in denen es immer wieder durch Dörfer mit engen Strassen und Kreisverkehren ging, wurde hinter diesem Führungsauto gefahren, überholen war bei Disqualifikation verboten. Nicht weit nach dem Start veränderte sich auch das Bild der Straßen. Verbrachten wir die Wartezeit im Trockenen, waren nun die Straßen nass, so wie es eben nach einem starken Regen normal ist.

Bald nachdem das Führungsfahrzeug weg war, waren wir nur mehr ca. 40 Leute an der Spitze, das Tempo war entsprechend hoch, was sich besonders bei den kurzen, teilweise giftigen Steigungen durch die Dörfer, in zu hohen Pulswerten (für meinen Plan) bemerkbar machte.


Was schon am Anfang während der ersten Kilometer auffiel, und sich über die ganze Distanz fortsetzte, war die Begeisterung der Bevölkerung für den Radsport. Wer sonst würde sein Abendessen bei Regen ins Freie verlegen, nur weil ein paar Wahnsinnige im Dunklen mit dem Rad vorbeifahren?

Da es dunkel war, und es war sehr dunkel, die Straßen waren teilweise ohne Markierung, ohne Seitenbegrenzung und unter Bäumen gelegen, bekam man von der Landschaft nicht viel mit. Da meine Erfahrung bei Nachtfahrten äußerst bescheiden war, musste ich mich erst mal an diese neue Umgebung gewöhnen. Ein Nachteil bei Dunkelheit ist unter anderem die Schwierigkeit, Steigungen, deren Länge und damit auch das gewählte Tempo abzuschätzen.

Nach ca. 50-60 km wurden die ersten Liegeräder überholt, von nun an wurde ständig überholt. Die Strecke war nun, auch trotz der Dunkelheit und Regen, durch einen Streifen an roten Rücklichtern, zumindest abschätzbar.

Nach ca. 100 km begann sich die Gruppe, in der ich mich befand, bedingt durch die Topographie aufzulösen. Zudem hatte ich das Problem, dass ich 40 km vor der ersten Verpflegung nichts mehr zu trinken hatte. Dort angelangt legte ich daher eine kleine Pause ein, Flaschen auffüllen, eine Kleinigkeit essen und dann wieder aufs Rad, und zitternd die Abfahrt von der Kontrolle weiter. Es regnete leicht, die Temperaturen waren niedrig und meine Kleidung bereits durchnässt.

Die nächste Etappe nach Villaines la Juhel war recht monoton, es gab nicht viel zu sehen, es waren nicht viele Radler auf der Strecke und die Morgenstunde brachte es mit sich, dass sich der Körper mit einer Schlafauforderung meldete. Immer wieder kämpfte ich gegen das Einschlafen (Sekundenschlaf lässt grüßen). Noch in der Dunkelheit erreichte ich die nächste Station die gleichzeitig die erste Kontrollstelle war. Hier waren bereits deutlich mehr Fahrräder am Abstellplatz, auch in der Bar war reger Betrieb, die Warteschlange davor änderte meinen ersten Entschluss hier zu Frühstücken und ich beschloss wie ursprünglich geplant erst bei der nächsten Station eine längere Pause einzulegen.

Der anbrechende Tag und die Dämmerung lösten mein Problem mit der Müdigkeit und es ging recht zügig voran nach Fougeres. Größere Gruppen oder Mitfahrer, die meine Geschwindigkeit hatten, fanden sich auch auf dieser Etappe nicht, daher fuhr ich den Großteil alleine. Bei der Kontrolle war neben dem Routineprogramm (Kontrolle, Flaschen auffüllen, …) die erste längere Pause und Frühstück eingeplant.

Der nächste Etappenort, Tinteniac, war nur knapp 60 km entfernt, allerdings kamen nach Aussage einiger Franzosen einige Hügel auf uns zu. Die Strecke bereitete allerdings keine größeren Probleme, es fand sich hin und wieder eine kleine Gruppen und die Leute, die man so sah, traf ich im weiteren Verlauf immer wieder. Auf dieser Etappe lernte ich Mike aus England kennen, bei dem ich mich eine Zeitlang anhängte, da er ein recht ansprechendes Tempo, auch über die Steigungen, fuhr.
In Tinteniac machte ich eine kürzere Pause und fuhr mit ein paar Leuten von der Kontrollstelle los. Der nun stärkere Regen und die allgegenwärtigen Hügel lösten die Gruppe aber recht schnell wieder auf und ich fuhr teils alleine, dann mit einem Bulgaren und dann wieder mit Mike und einen Franzosen. Kurz vor der Loudeac kam dann eine Gruppe, großteils Italiener, und überholte uns. Darin befand sich auch Rudi, der in der 80-Stunden Gruppe startete. Gemeinsam ging es in dieser Gruppe nach Loudeac zur Kontrolle, wo wir durchnässt ankamen.

Beim Eingang zur Kontrolle traf ich Michael der ebenfalls ziemlich durchnässt war und nicht sehr glücklich wirkte, geschweige denn sehr motiviert aussah. Wir, Michael, Mike und ich, beschlossen nach einem ausgiebigen Essen im Restaurant zu dritt weiterzufahren. Rudi startete schon früher, sein Plan war, die Gesamtdistanz ohne zu schlafen durchzufahren.

Nach Loudeac wurde es wettermäßig wieder etwas besser, wir passierten die erste Geheimkontrolle und kamen trocken bis Carhaix. Ca. 20km vor Kontrolle kam uns die ca. 30 Mann umfassende Spitzengruppe entgegen. In Carhaix angekommen einigten wir uns auf eine Schlafpause um Probleme mit der Dunkelheit, und der damit auftretenden Gefahr einzuschlafen, zu vermeiden. Muskulär gab es auch nach über 500km noch keinerlei Problem. Ein ausgiebiges Essen, eine warme Dusche beendeten den Tag. Der fast leere Schlafsaal den wir betraten zeigte sich nach 5 Stunden (Punkt 4 Uhr wurden wir geweckt, dank Weckdienst) stark verändert, kaum ein freier Platz war zu erkennen. Nach einem ausgiebigen Frühstück war um Punkt 5 Uhr Abfahrt nach Brest. In frischer, trockener Kleidung und ohne Regen kamen wir gut voran und in der Morgendämmerung erreichten wir den vielbeschriebenen Berg Roc Trevezel, der höchste Punkt auf der Strecke, ca. 30km vor Brest der uns allerdings nicht erschreckte. Mit Sonne und Ferdinand, den wir kurz vor Brest trafen, rollten wir dann zur Kontrolle und Verpflegung. Eine Kleinigkeit wurde wieder gegessen und es ging weiter, retour nach Paris. Das Wetter am Start der ersten Etappe retour war schön, wir konnten sogar ohne Jacke fahren. Wieder über den Roc Trevezel, der von dieser Seite ein netter Rollerberg ist, trafen wir auf eine Gruppe von Radlern, in der wir auch wieder Ferdinand fanden.
In Carhaix wurde wieder mit Sandwich und Cafe aufgetankt und es ging guter Dinge weiter nach Loudeac.

Der sich zusehends eintrübende Himmel brachte uns dann noch etwas Regen, der vor Loudeac relativ stark wurde und uns wieder gut eingewässert in Loudeac ankommen ließ. Nicht gerade motiviert ging es nach der obligatorischen Pause wieder weiter.

Danach wurde es aber zunehmend besser, auch wieder wärmer, bis Tinteniac konnte daher wieder ohne Überschuhe und Jacke gefahren werden. Einige Leute gesellten sich zu uns, die Gruppe war aber nicht sehr homogen und löste sich auch schnell wieder auf. Eine größere Gruppe, die wir vor uns sahen und einholen wollten, wurde genau vor der zweiten Geheimkontrolle gestellt, danach waren wir leider doch nur wieder zu dritt und fuhren weiter in die beginnende Nacht. In Tinteniac wollten wir nur eine kurze Pause machen, dh. neben Kaffee trinken geschwind eine Banane essen und weiter.
Motiviert verließen wir Tinteniac, als es keine 5 min später wieder stark zu regnen begann. Der Regen, der uns bis nach Fougeres begleitete, zerstörte unseren ursprünglichen Plan, nach Villaines la Juhel zu fahren und dort unsere zweite Schlafpause einzulegen.

In Fougeres angekommen waren wir wieder komplett duchnäßt, keine trockene Ersatzkleidung war mehr vorhanden und uns war kalt. Wir beschlossen daher, uns in der zumindest etwas wärmeren und trockeneren Halle des Selbstbedienungsrestaurants auszuruhen. Allerdings, natürlich nicht ohne vorher noch etwas zu essen. Ein Faux Fillet im Ganzen zubereitet und dünn aufgeschnitten lenkte kurz von der etwas tristen Situation ab. Danach Wechsel in das SB Restaurant und ein kleines Nickerchen am Tisch, wovon ich aber nach einer Stunde zitternd aufwachte. Ich versuchte noch ein bisschen auf dem Boden, eingewickelt in die mitgeführte Rettungsdecke, zu schlafen. Nach knapp zwei Stunden weckte mich Michael und wir brachen umgehend auf. Die Feuchtigkeit und die Temperatur waren zwar wirklich nicht sehr motivierend, aber nach einiger Zeit Bewegung ging es dann doch wieder und wir kamen gut voran.


Von hinten holte uns dann überraschenderweise eine etwas größere Gruppe ein die uns ein Wiedersehen mit Ferdinand bescherte. Allerdings war keiner aus dieser Gruppe wirklich bereit Führungsarbeit zu leisten, dies blieb meist bei uns dreien hängen, oder wenn doch, dann wurde gefahren, als ob es ein 70 km Rennen wäre. Die wieder vermehrt auftretenden Hügel lösten das Problem und der Großteil der Leute fiel nach hinten zurück. Mike und ich verloren daraufhin Michael, der über einen längeren Anstieg hinauf deutlich schneller war als wir. Treffpunkt war dann die Verpflegung in Villaines la Juhel, wo wir unser Frühstück einnahmen (sehr gute Chausson au pommes!) und uns versuchten aufzuwärmen.

Einige Zeit später kam dann auch Ferdinand, der uns wohl hier endgültig überholte. Weiter ging es dann nördlich von Le Mans nach Mortagne sur Perche, das Wetter war wieder etwas besser. Je näher wir nach Mortagne kamen, desto länger ging es, auf endlos scheinenden Straßen, bergauf, desto langsamer wurden wir im Vergleich zu den, nun vermehrt vorhandenen, restlichen Fahrern, wobei Michael und Mike schneller waren als ich und mir vor allem die letzte Steigung hinauf nach Mortagne einiges an Kraft kostete. Die Länge der Strecke und die bisherige Anstrengung machten sich nun doch langsam bemerkbar.

In der Station angekommen traf ich die anderen, die bereits bei einem Teller Pasta saßen. Beim Gehen durch die große Halle bemerkte ich nun auch die schmerzenden Füße. Sie befanden sich nun auch schon einige Zeit in permanent feuchten Schuhen und Socken, jedes Auftreten schmerzte. Die Portion Pasta und etwas zu trinken verlieh wieder neu Kraft, und wir brachen auf um die letzten 140 km zu absolvieren.

Anfangs ging es wieder ganz gut, allerdings machten die Füße sich immer mehr bemerkbar, wodurch treten immer schwieriger, da schmerzhafter, wurde. Zu diesem Problem gesellte sich dann noch das Problem das die Ansätze der Achillessehnen zu schmerzen begannen. Bei einer der letzten Steigung auf dem Weg zur nächsten Station, ca. in der Mitte der Etappe fuhr Michael davon, Mike blieb in Sichtweite. Oben, auf einer Art Plateau, ging es dann lange recht flach, landschaftlich sehr schön dahin. Die Straße ging in weiterer Folge in eine leicht abfallende Abfahrt über. Da das Wetter wieder etwas besser schien, war auch die Stimmung nicht zu schlecht und ich versuche die Geschwindigkeit hoch zu halten um den flachen Teil möglichst schnell zu absolvieren. Nachdem Mike mein Tempo nicht halten konnte, fuhr ich alleine weiter, hin und wieder traf man einen Ranndoneur, teilweise in der Wiese schlafend, teilweise auf der Straße fahrend. Ca. 30 km vor Dreux kam mir ein Franzose entgegen, der mich fragte ob es mir was ausmachen würde, wenn er ein Stück mit mir mitfährt. Er entpuppte sich in weiterer Folge als ansässiger Triathlet, der schon Hawaii absolvierte und im Jahr ? als einziger Franzose dort teilnahm. Zudem erläutert er mir genauestens den weiteren Streckenverlauf, keine noch so kleine Steigung war mir daher in weiterer Folge unbekannt. Zudem kannte ich auch gleich den Beginn der letzten Etappe. So weit so gut, einzig er irrte sich als der Regen einsetzte und er mir erklärte, es wäre kein Problem, da der Wind … und so weiter. Fazit war, wir wurden die letzten 5-10 km ziemlich nass und wir (Michael, Mike und ich) trafen uns alle wieder bei der Kontrollstelle, wie üblich durchnässt. Wie üblich, Verpflegung, Cafe und noch warme Chausson aux Pommes direkt aus dem Ofen. Da es bei unserem Stopp nicht aufhörte zu regnen beschließe ich, die restlichen 70 km auch die mitgeführte Regenhose zu verwenden, auch im Hinblick darauf, das die Probleme immer schmerzhafter wurden und es bereits abzuschätzen war, dass unser Tempo nicht wirklich hoch werden würde.

So war es dann auch, die Strecke war flach und wir rollten dahin, Michael, der ziemlich genau die gleichen Probleme wie ich hatte und Mike der auch schon etwas entkräftet war, hatten kein Problem mit dem langsamen Tempo, das ich vorgab. Bald wurde uns klar, dass der leichte Regen so nicht bleiben würde, vor uns baute sich eine dunkle Wand auf. Kurz nachdem es wieder stark zu regnen begonnen hatte, begannen wir uns auch wieder etwas mehr aufwärts zu bewegen. Krönung war eine Rampe (18%?) die uns wirklich die letzten Kräfte abnötigte. Oben angelangt hatte Michael seinen insgesamt dritten Plattfuß, ich leistete seelische Unterstützung bei der folgenden Reparatur, Mike, der dies nicht bemerkte, war davon. Der Schluss zog sich dann wie ein Kaugummi, obwohl nur mehr 30 km, ging es auf schmalen Straßen (déjà vu!) Hügel auf-, Hügel abwärts sehr langsam dem Ziel entgegen. Gegen 22:00 trafen wir dann in Saint-Quentin-en-Yvelines (Paris) ein, wo beim Eingang in die Halle noch immer Leute standen und uns mit Applaus begrüßten. Nach einem kurzen Plausch (wir befanden uns nicht unbedingt in Partystimmung, geschweige denn war irgendeine Wirkung von Endorphinen bemerkbar) ging es dann los ins Hotel, Ausschlafen war endlich angesagt und natürlich Wunden pflegen.

Die Zigarette danach
Am nächsten Tag war dann Treffen am Campingplatz bei einem kühlen Bier (Danke Ferdinand) angesagt, Erlebnisse austauschen und die nächsten Pläne, Bewerbe besprechen, …London-Edinburgh-London 2008, Paris-Brest-Paris 2011, ….
PBP 2007 war sicher nicht vom Wetter begünstigt (angeblich das schlechteste Wetter seit 40 Jahren), trotzdem haben die wenigsten Teilnehmer, mit denen ich danach gesprochen habe, gesagt „nie wieder“ (und das schon am nächsten Tag!), Gründe dafür gibt es sicher viele…

Technik:
Mein Fahrrad für Paris-Brest-Paris war ein schöner klassischer Stahlrahmen mit Rahmenschalthebel, die Geometrie etwas gemütlicher als die leichtgewichtigere Schwester, die zuhause bleiben musste. Licht wurde durch zwei 3 W SON Scheinwerfer erzeugt, gepowert von einem Shimano Nabendynamo, eine ziemlich leuchtstarke Kombination, gibt ausreichend Licht und ist punkto Fahrwiderstand nicht zu merken. Gepäck wurde mittels Satteltasche (Regengewand) und Lenkertasche transportiert.

Ernährung:
An den Verpflegungsstellen gab es alles, was man sich vorstellen kann, ein Selbstbedienungsrestaurant mit Sandwich usw., ein Restaurant mit durchaus guter Küche (siehe Menüplan Carhaix), einzig, gute Pasta ist schwer zu finden, aber es führt halt kein Weg daran vorbei. Sonst wurden die mitgebrachten PowerBars verdrückt, Gel, Flüssignahrung und isotonisches Geränk rundeten die ganze Sache ab. Der Rest wird wegen den bereits begonnenen Dopingdiskussionen (siehe bikeboard) verschwiegen.

Organisation:
Die Organisation von PBP geschieht mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer und ist aus meiner Sicht perfekt. Der Ablauf ist genauestens organisiert, die Leute sind überaus freundlich und bemüht, es wird alles erdenklich Notwenige zur Verfügung gestellt und das mit immerhin über 5000 Startern.

Weitere interessante Veranstaltungen:
LEL: http://www.londonedinburghlondon.co.uk
1001 miglia (Längster Brevet in Europa): http://www.1001migliaitalia.it/
Montreal Boston Montreal: http://www.geocities.com/b-m-b/
Oslo- Trondheim: http://www.styrkeproven.no/

Einige Zahlen:
Zwischenzeiten:
Station km Zeit
Paris 0 Montag, 21:30
Mortagne 141 Dienstag, 02:23:00
Villaines la Juhel 223 Dienstag, 06:08:00
Fougeres 311 Dienstag, 09:52:00
Tinteniac 366 Dienstag, 13:03:00
Loudeac 452 Dienstag, 17:03:00
Geheim I
Carhaix 529 Dienstag, 21:35:00
Brest 615 Mittwoch, 08:41:00
Carhaix 696 Mittwoch, 12:53:00
Loudeac 773 Mittwoch, 16:55:00
Geheim II
Tinteniac 859 Mittwoch, 21:25:00
Fougeres 914 Donnerstag, 00:39:00
Villaines la Juhel 1002 Donnerstag, 08:26:00
Mortagne 1084 Donnerstag, 12:54:00
Dreux 1167 Donnerstag, 17:09:00
Paris 1233 Donnerstag, 22:04:00

Streckenlänge: 1233 km
Bruttofahrzeit: 72h 34 min
Nettofahrzeit ca. 52h32 min
Kalorienverbrauch: 28816 kcal
Schlafstunden: 7h

Starter gesamt: 5312
Nicht gestartet: 152
DNF: 1429

Ergebnisse der Österreicher und Information zu Brevets in Österreich:
http://members.liwest.at/jungferdinand/

Links:
http://www.paris-brest-paris.org/FR/index.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Paris-Brest-Paris

Paris-Brest
Als Paris Brest zum ersten Mal ausgetragen wurde, kreierte ein französischer Konditor ein dazupassendes Gebäck. Als Diätkost ist es sicher nicht geeignet, aber die Kalorienzufuhr während des Bewerbes kann damit gesichert werden. Ein von mir getestetes Rezept findet sich hier (nur französisch).

Bilder

Bericht im PDF Format